1. Dabei muss man nackt sein

Oh nein! Auch wenn die Kombination von Seilen auf nackter Haut durchaus ästhetisch wirken kann- in meinen Trainings wird ausschließlich bekleidet (der aktive wie auch der passive Part) gefesselt. Zuhause könnte ihr natürlich machen, was ihr wollt ;-).

Nur soviel als Tipp: für die ersten Schritte mit dem Seil ist es einfacher und sicherer, etwas Kleidung zu tragen. Der Fessler muss schließlich erstmal den Dreh rausbekommen, wie das Seil am besten gehandhabt und über die Haut gezogen wird. Wenn der passive Fesselpartner noch nie gefesselt wurde ist es auch empfehlenswert, erstmal mit Kleidung zu fesseln, so dass sich der-/diejenige ganz auf die Seile und sich selbst konzentrieren kann. 

Es gibt viele Menschen, die noch nie nackt gefesselt wurden und dies auch nicht möchten. Bondage ist zwar eine sehr körperliche Erfahrung, erfordert aber keine Nacktheit. Seile auf nackter Haut sind intensiver, schmerzen vielleicht mehr - sind aber gleichzeitig auch schwerer zu fesseln, da der Anfänger viel mehr aufpassen muss, keine Haut einzuklemmen. Also besser erstmal Trockenschwimmen, bis das Seil perfekt sitzt ;-)

Welche Kleidung wird empfohlen?

 

2. Bondage ist pervers!

Eines der häufigsten Vorurteile. Wer außerhalb Berlins- womöglich noch in München - offen behauptet Bondage zu praktizieren, der erntet noch viel zu häufig irriterte Blicke. Diese begründen sich jedoch durch unzureichende oder falsche Informationen zum Thema Bondage sowie das verzerrte Bild in den Medien (z.B. Böse Domina fesselt wehrlosen, armen Sklaven in dunklen Kellern. Oder Shades of Grey: Der Perverse wird durch Liebe "geheilt", etc.). Oft fehlt es an Wissen um die geistigen Dimensionen und Tiefen der bewusst erfahrenen oder gegebenen Wehrlosigkeit und der Klärung, worum es beim Fesseln tatsächlich geht. Wird dann der Begriff "Bondage" gegoogelt, so stößt der Suchende zwangsläufig auf (teils sehr gute) Hardcore-Pornos und leider auch Filme jenseits des guten Geschmacks, welche die Einordnung unseres Lieblinshobbys in die Kategorie „unnormal“, bzw. „pervers" nur so untermauern. Was da in Pornos zu sehen ist, ist eben nur 5% der Möglichkeiten und Ebenen, die Bondage/Shibari bietet. 

Doch was meint das eigentlich? Das Wort ‚pervers‘ stammt vom lateinischen perversio und meint „Verdrehung, Umkehrung“. Der Begriff bezeichnet eine Moralvorstellung (oder Handlung), welche die Grenzen des Erlaubten oder gemeinhin üblichen überschreitet oder aber ein der Norm widersprechendes Sexual- und Triebverhalten. 

Ich möchte an dieser Stelle weitere Punkte erläutern, die gegen jene Einordnung sprechen könnten:

1. Wir fesseln einander nur im gegenseitigen Einverständnis. Jemanden gegen seinen Willen zu fesseln ist eine Straftat und hat nichts mehr mit hedonistischen Fesselspielen zu tun.

2. Müssen wir uns fragen, was überhaupt ‚normal‘ oder ‚gemeinhin üblich‘ ist. Wenn ich sehe, wie viele Paare über Handschellen, Hängevorrichtungen, Fesselmöglichkeiten oder sogar Schlagwerkzeuge verfügen und von den vielen Interessierten - „normalen Leuten“ - am Thema Bondage mal ganz zu schweigen, dann frage ich mich, ob eine gehobene Neugier und Experimentierfreudigkeit am Fesseln nicht mittlerweile sehr viel normaler geworden ist, als noch vor zwei Jahrzehnten. Nicht zuletzt auch durch die mediale Konzentration auf die Sexualität und ihre Erscheinungsformen. Sicher spreche ich hier von meinen Erfahrungen in Berlin und anderen europäischen Großstädten, doch das Internet und die Medien sind nahezu von allen Orten zu erreichen.

3. Wie schon erwähnt, beruhen die meisten Vorurteile tatsächlich auf unzureichender Information und verzerrten Vorstellung zum Thema. Teilweise mischt sich auch Angst darunter, da der hinter den Spiel- und/oder Fesselszenen liegende Verständigungsgrund (Einvernehmlichkeit, gute Kommunikation, Vertrauen, Spaß auch an ungewöhnlichen Praktiken, positiv konnotierte Schmerzerlebnisse, etc.) für den nicht informierten Betrachter unerklärt bleibt. Nicht selten kann die Verurteilung von Fesselneigungen auch mit den eigenen verdrängten Wünsche und Bedürfnisse desjenigen zu tun haben und weniger auf unzureichender Information beruhen. Es kostet mitunter Kraft und Mut, sich seiner Neigungen bewusst zu werden und dieses auszuleben und als Teil seiner selbst zuzulassen. Es kostet genauso Kraft, über den Tellerrand von breitengesellschaftlich proklamierten Einordnungsmodellen zu sehen oder Dinge neu einzuordnen. Meist muss dies zuvor mit dem eigenen Werte- und Moralvorstellungsmodell in Einklang gebracht werden und stellt für viele eine schwierige Gradwanderung dar. Sicher sind Fesselspiele im BDSM-Bereich sehr gut nutzbar, aber dies als alleinige Verwendungsmöglichkeit zu sehen, käme einer drastischen Beschneidung der Betrachtung gleich und entspricht bei weitem nicht den Tatsachen.

Viele Paare lieben es einfach, sich in Seilen schweben zu lassen, mit den verschiedenen Fesselstilen herumzuspielen und die verschiedenen Facetten und Tiefen des Lebens auch aus dieser Perspektive bewusst zu erkunden. Mit entarteter Sexualität oder Handlungen, welche der Norm widerstünden, hat das bei weitem wenig zu tun. Jeder, der ‚unter die Oberfläche‘ gesehen hat und das Fesseln einmal selbst erlebt oder ausprobiert hat, sich eingedacht oder an fachkundiger Stelle informiert hat, weiß, dass die Gleichsetzung von Bondage und Perversion auf einer stark eingeschränkten Blickrichtung beruht. Jedes Fesselpaar hat ein etwas anderes Verständnis und eine eigene Herangehensweise an das Thema. So wie sich zwischenmenschliche Verhältnisse nie exakt gleichen können, kann man auch hier nichts über einen Kamm scheren. Und natürlich ist es vielen Menschen angenehmer, eine krasse und damit klare Einordnung von Themen zu haben, als Dinge neu zu überdenken oder sich ein eigenes Bild zu machen. 

 

3. Frauen werden immer von Männern gefesselt

In der Tat sind die meisten Bondage-Performances, Videos oder andere mediale Darstellungen von Fesselungen von männlichen Fesslern und weiblichen, oft devot veranlagten Spielpartnerinnen dominiert. Und tatsächlich genießen viele Frauen es sehr, mit Hilfe des Fesselspiels den täglichen Stress durch berufliche Beanspruchung, Karriere etc. einmal bewusst aufgeben zu können und ganz in entspannter Passivität zu versinken. Denn der Fessler übernimmt für die Session die Verantwortung und dominiert das Geschehen. Er 'verfügt' quasi (im gegenseitigen Einverständnis) über die Bewegungen und Positionen des Körper des Gefesselten – eine Rollenverteilung, die von vielen Männern gerne angenommen und ausgelebt wird. Dennoch ist dies keinesfalls die Regel.

Immer mehr Männer trauen sich, auch die passive Seite des gefesselt werdens auszuprobieren und genießen es sehr. Es spielt keine Rolle, welchem Geschlecht welche Rolle beim Fesseln zukommt. 

[In meinen Trainings ist es egal, welches Geschlecht ihr habt, in welcher Beziehungskonstellation ihr zu mir kommt, oder was auch immer. Jeder, der möchte, kann fesseln oder gefesselt werden. Ihr könnt auch gerne mittendrin die Rollen tauschen.]

4. Gefesselt zu werden oder in den Seilen zu hängen tut weh

Das kann durchaus sein. Allerdings ist dies von so vielen Faktoren abhängig, dass es schlicht weg falsch wäre, diese Annahme zu Generalisieren. Warum möchte ich nachfolgend erläutern.

1. Ist es sehr stark von der Fesselung abhängig, ob diese als schmerzhaft empfunden wird, oder nicht. Hierbei spielt das Material (z.B. einschneidende, brettharte Seile oder anschmiegsame Seile) genauso eine Rolle wie der Seilduktus des Fesslers (z.B. anschmiegsam und bequem / sehr eng und ruppig), die Art der Fesselung (einfaches Hände zusammen binden / komplexe Hängung) und die dafür erforderliche Körperhaltung (z.B. bequem auf dem Boden sitzend oder mit dem Rücken überdehnt nach hinten). Einige Fesselungen sind natürlich anspruchsvoller als andere. Es gibt jedoch genügend Fesselfiguren, welche mit einem Minimum an Anspruch an den Gefesselten auskommen und als verhältnismäßig bequem von den meisten Menschen empfunden werden.

2. Ist es ebenso stark von der gefesselten Person abhängig, wie diese die Fesselung erlebt. Hier spielen generelle Lebenseinstellung, Vorerfahrungen und die Herangehensweise genauso mit rein wie körperliche Aspekte, wozu u.a. die Dehnbarkeit, Beweglichkeit und Statur zählen. Mit einer körperlich schwerere Person kann unter Umständen nicht jede Fesselung und/oder Hängung auf genau dieselbe Weise durchgeführt werden, wie mit einer etwas leichteren – schließlich wirken verstärkte Zugkräfte und die Druckempfindsamkeit der Haut wird stärker beansprucht. Dieselbe Fesselfigur kann also je nach Statur und Körpergewicht der betreffenden Person mehr oder weniger schmerzhaft werden. Ebenso wird eine Hängefigur, bei der z.B. die Beine hinter dem Rücken nach oben gezogen werden, einer weniger gut gedehnten Person schwerer fallen und damit unangenehmer und schmerzhafter sein, als einer aktiv Yoga praktizierenden oder Ballett trainierenden (d.h, gut dehnbaren) Person, für die diese Bewegung zum normalen Repertoire des Körpers gehört.

3. Wie schon oben erwähnt, spielt auch der persönliche Umgang mit Schmerzen eine wichtige Rolle: Schmerzempfindungen können sich im Laufe des Lebens einer Person verändern. Dies ist nachweisbar an der Modifizierung eines Gens, auf dem die Information für das Protein der Nozizeptoren liegt. Es handelt sich dabei um die freien Nervenendigungen, die thermische, chemische oder mechanische Reize wahrnehmen können und für die Registrierung von Verletzungen zuständig sind. Je nach Modifikation – also den bereits gemachten Lebenserfahrungen mit Schmerzen – wird das Protein häufiger oder seltener von den Zellen hergestellt. [1] Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass neben individuellen Vorerfahrungen auch die Gene, die Gehirnstruktur sowie das Geschlecht und die Haarfarbe die Intensitätswahrnehmung des Schmerzes beeinflusst. So reagieren Rothaarige im Unterschied zu Brünett- oder Schwarzhaarigen zwar empfindsamer auf Hitze- oder Kälteschmerz, jedoch unempfindlicher auf Druckreiz. Grund dafür ist eine bestimmte Variante des Gens Mc1r, welches neben der roten Haarfarbe auch den Bau und die Funktion sogenannter Opioidrezeptoren steuert. Das sind Rezeptoren, welche durch die körpereigenen Schmerzmittel Endorphine und Enkephaline angeregt werden und an den Verbindungen zweier Nervenzellen sitzen.

Interessant ist auch, dass Männer mehr Endorphine und Enkephaline bei Schmerz ausschütten, als Frauen. Was bedeutet, dass die Männer denselben Schmerz durch die verstärkte Aktivierung der Opioidrezeptoren als schwächer empfinden. Das körpereigene Schmerzhemmsystem ist bei Männern nach den Ergebnissen der Forscher daher besser, als das der Frauen. Letztere können dafür jedoch sehr viel besser sensorische Empfindungen (wie Temperaturabweichungen oder Gerüche) differenzieren und Schmerzen damit generell besser wahrnehmen und deutlicher beschreiben. Zudem beeinflusst der Hormonspiegel die Schmerzwahrnehmung von Frauen. In der Phase ihrer Menstruation werden auch mehr Endorphine ausgeschüttet und es sind mehr Opioidrezeptoren vorhanden. Daher sind Frauen an diesem Punkt ihres Zyklus am wenigsten Schmerzanfällig- aufgrund der Hormone können sie Schmerzen zu diesem Zeitpunkt ähnlich gut tolerieren wie Männer. Weiter reagieren Menschen, welche nur selten Tagträumen oder ihren Gedanken nachhängen – also ihr Gehirn im Ruhezustand halten – stärker auf Schmerzen, als andere.

Wir sehen also, dass es allein schon aus wissenschaftlicher Sicht zahlreiche Faktoren gibt, welche das Schmerzempfinden eines Menschen beeinflussen können.

4. Bondage soll mitunter weh tun. Der vielleicht am schwersten nachvollziehbare Punkt. Aber es gibt zu genügend Menschen, die sich bewusst in starke Schmerzerfahrungen hineinbegeben – und dies immer wieder und mit Freude. Warum, fragt man sich da? Eine mögliche Erklärung dazu lautet: Schmerzen veranlassen den Körper dazu, Endorphine auszuschütten, welche den Schmerz hemmen und zugleich Hochgefühle in uns auslösen können. Aus der eigentlichen Schmerzerfahrung wird eine tiefgehende Körpererfahrung. Es entsteht daher in einer guten Bondage-Session beim passiven Partner eine Mischung von Lust und Schmerz. Beide Empfindungen können, mal philosophisch betrachtet, als „die entscheidenden menschlichen Grund- und Grenzerfahrungen“ verstanden werden und „die Lebendigkeit und Leiblichkeit menschlicher Existenz“[1] durch die Einheit von Körper und Bewusstsein in einer besonderen Klarheit und Tiefe erfassbar machen. Hinzu kommt der Aspekt der Wehrlosigkeit und Immobilität durch das Gefesselt sein– es entspricht der Aufgabe des Willens und dem Verzicht auf die Kontrolle des Geschehens. Genau das ist nach der Philosophin Elisabeth List das wichtigste Merkmal ekstatischer Lustempfindungen: „Der freiwilligen Aufgabe der Ichgrenzen und des eigenen Körpers als kontrollierbares Objekt“. [2] Die Grenzerfahrung, die Körperwahrnehmung, der Schmerz, die Hingabe und der Kontrollverlust – das alles begünstigt tranceartige Glückserfahrungen. Dem Schmerz kommt zudem eine den Geist fokussierende Wirkung zu. Eine Art Meditation oder Trance – nicht wenige Bondage-Fans empfinden daher anspruchsvolle und schmerzhafte Hängungen oder besonders enge Fesselungen als den Geist läuternd und befreiend. Hochgefühle inklusive.

5. Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Normalerweise soll uns Schmerz vor Krankheiten oder Verletzungen schützen und uns davor warnen. Anders verhält es sich beim Bondage, bei dem der Körper des Gefesselten oder Hängenden unter Umständen zwar stark beansprucht wird und Schmerzen empfindet, diese jedoch nicht als Warnung für Krankheiten oder Verletzungen verstanden werden brauchen. Eine im Leben einzigartige Erfahrung. Denn bei guten Fesselsessions kommt es in der Regel nicht zu unabsichtlichen Verletzungen oder Unfällen. Daher ist es möglich, aufkommende Schmerzen zu ignorieren, bzw. tut dies der Körper von selbst, sofern er zuvor einige Erfahrung mit anspruchsvollen Fesselvarianten machen konnte. Dies mag von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Ein Gewöhnungseffekt der Psyche (Rückgriff auf bewährte Verhaltensmuster) und des Körpers (z.B. Abhärtung von Haut und Knochen nach zahlreichen Hängungen, verringerte Druckempfindlichkeit an manchen Stellen) ist also hinzu zu rechnen, wenn man die Schmerzhaftigkeit von z.B. Hängefiguren beurteilen möchte.

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1) Klinger, Anna: Subjektives Schmerzemfpinden. Spüren Frauen Schmerzen stärker als Männer?, Artikel vom 24.04.2014 im Onlinemagazin unter: http://www.spektrum.de/frage/spueren-frauen-schmerzen-staerker-als-maenner/1258486 (Abruf am 01.06.2014)

2) Elisabeth List /1998: „Schmerz – Selbsterfahrung als Grenzerfahrung“, in: Maria Wolf/Walter/Rathmayr (Hrsg.): Körper-Schmerz. Intertheoretische Zugänge, Innsbruck 1998, S. 1f.

3) Elisabeth List /1998: „Schmerz – Selbsterfahrung als Grenzerfahrung“, in: Maria Wolf/Walter/Rathmayr (Hrsg.): Körper-Schmerz. Intertheoretische Zugänge, Innsbruck 1998, S. 8f.

Und: Dietrich, Julia: Körper, Ethik, Experiment: Überlegungen zur ethischen Relevanz des Unverfügbaren im Erleben von Lust und Schmerz, in: Pethes, Nicolas; Schicktanz, Silke (Hrsg.): Sexualität als Experiment. Identität, Lust und Reproduktion zwischen Science und Fiction, Frankfurt/Mail 2008, S. 245-252.

 

5. Fesseln ist nur das Vorspiel für Sex

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig bei Menschen, die bislang wenig Erfahrung mit den verschiedenen Spielarten des erotisch-sinnlichen Erlebens gesammelt hatten. Fakt ist aber, dass es für viele Menschen zu einem gelungenen Sexualakt gehört, ihren Partner vorher zu fesseln, bzw. sich fesseln zu lassen. Es kann für beide Seiten äußerst bereichernd sein, sich dem Partner auszuliefern oder ihm/ihr in totaler Wehr- und Hilflosigkeit geistige Ekstasen zu ermöglichen. Es kann den Orgasmus steigern und es wäre ohne Fixierungstechniken unter Umständen nicht möglich gewesen, in jene Tiefen des Erlebens zu gelangen. Gerade wenn es oft so schwer fällt, den Kopf vom Alltag auszuschalten.

Jedoch handelt es sich hierbei um nur eine von vielen möglichen Spielarten und Verwendungen von Fesseltechniken, die stark von den persönlichen Neigungen abhängig sind und bei weitem nicht dem gängigen Ablauf entsprechen. Sex und Bondage ist zwar wunderbar vereinbar und eine Bereicherung für jede Partnerschaft, aber das Fesseln und Gefesselt-werden alleine auf ein Mittel zum Zweck des Sex zu reduzieren, käme einer Beschneidung der Möglichkeiten gleich. Denn es kann eine hoch interessante Freizeitbeschäftigung sein, bei der sich die Partner sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit füreinander widmen. Dies muss auch nicht unbedingt nackt sein – enganliegende Kleidung ist dafür total ausreichend. Viele Fesselpaare genießen das Gefühl sehr, die eigenen Körpergrenzen zu spüren und sich Fallenlassen zu können. Dies kann – je nach Vorerfahrung, Wille und Konditionierung – mit sexueller Erregung einhergehen, muss aber überhaupt nicht.

Ich kenne viele Paare, bei denen das Fesseln zu einem Hobby geworden ist und lange über den Status des rein sexuellen Erfüllungsgehilfen hinaus gegangen ist. Ebenso macht das fantasievolle Ausprobieren von Fesselfiguren und das Rumspielen mit den Seilen unglaublich viel Spaß- selbst dann, wenn man mit der fesselnden/gefesselten Person absolut keine intime oder sexuelle Beziehung führt (man sollte sich aber selbstverständlich mögen und vertrauen). Seinen Partner zu fesseln schenkt der Beziehung vor allem dies: mittelbare (Seil als Mittel), aber uneingeschränkte Konzentration auf den Partner (Wann haben Sie sich zum letzten Mal eine Stunde durchgehend auf den Partner konzentriert?), einen meditativen sowie offenen und spielerischen Geist, das Erleben einer vom Alltag differenten Realität, das Loslassen und entspannen können, sowie eine emotionale Annäherung und Vertiefung der Partner aufeinander. Fesseln stellt somit einen verbindenden Kommunikationsakt dar - genau wie Sex. Eine gute Fessel-Session kann durchaus genauso intensiv wahrgenommen werden: Der Kick passiert auch hier im Kopf. Von daher geht Bondage sehr gut ohne Sex im Sinne des Geschlechtsverkehrs, das Fesseln bedient ein breites Spektrum an Spiel- und Erlebensmöglichkeiten, die selbst ohne sexuelle Konnotation in der Tiefe wirken und für sich alleine stehen können.

 

6. Baumarkt-Seil reicht doch!

Bitte nicht. Lieber Pragmatiker und Heimwerker, tut euch und euren Partnern einen Gefallen und spart nicht am falschen Ende. Natürlich wisst ihr ganz genau, wo im Baumarkt die ganzen Trossen mit kilometerweise günstigen Seilen aller Farben, Materialien und Beschaffenheiten einschließlich Traglastangaben zu finden sind. Aber gute Fesselungen und –sessions stehen und fallen mit dem Material und das sollte eine Top-Qualität haben, ohne Kompromisse. Denn euer/eure Partner/-in trägt das Seil direkt auf der Haut, das Seil wird an der Hautoberfläche entlang gezogen oder kommt das eine oder andere Mal mit Schleimhäuten in Kontakt. Achtet daher ungedingt auf die Hautverträglichkeit des Seils und der verwendeten Färbe- oder Bleichmittel, denn die meisten Baumarkt- Seile (auch wenn sie naturfarbend sind), wurden zuvor mit Chemikalien bearbeitet.

Für professionelle Fesselungen werden fast ausschließlich reine Naturfaser-Seile, wie z.B. Jute oder Hanf mit einem Durchmesser von 4-6mm verwendet..Seile, die aus Polypropylen oder anderen Kunststoffverbindungen bestehen, können schwerste Verbrennungen auf der Haut hervorrufen. Die einfachen Seile im Baumarkt sind zu großer Sicherheit Kunststoff-Seile. Aufpassen musst du auch mit billigen Hanfseilen, welche einen unangenehmen Geruch haben (eine Mischung aus nassem Hund, Marihuana und Heu) oder einfach nur sehr schlecht verarbeitet sind. Bitte spart also nicht an euren Seilen. Im Gegensatz zu anderen Hobbys, ist das Fesseln an sich recht günstig. Ihr braucht Seile, einen Notöffner und das war es eigentlich schon. Ein gutes Seilset in Topp-Qualität hat locker einen Wert von 150-200€, sofern die Seile nicht in mühevoller und stundenlanger nervenzehrender Kleinarbeit mit dem Grundmaterial guter Seilereien selber gefärbt und bearbeitet worden waren. Von daher - bitte nicht billig und vor allem nicht wahllos kaufen. 

Warum du mit deinen Baumwoll-Seilen (ich weiß, du hast sie als "Perfektes Bondage-Seil" gekauft) aufpassen musst, erfährst du hier: 

Materialkunde   |   Pensionsreife Seile  |  Über Seile...

Ich biete für alle meine Schüler und Kunden Jute und gefärbte Hanfseil-Sets an. Alle Seile werden von mir handverarbeitet und sind von höchster Qualität. 

 

7. "Um meinen Partner zu fixieren, brauche ich doch keinen Bondage-Kurs!"

Natürlich nicht. Klebeband und Handschellen reicht auch, ich weiß. Das dürfte aber mit der Zeit etwas langweilig und einseitig werden. Schließlich sind die Variationen und Einsatzgebiete dafür sehr begrenzt. Und ja, du kannst dich auch auf deinen Partner draufsetzen, das ist auch eine Form von Bondage ;-). 

Aber jetzt mal ganz ehrlich: das wird peinlich mit der Zeit. Ich hätte da was besseres für dich: Wie wäre es mit....

- ...neuen Ideen , Inspiration, neuen Fesseltechniken und Positionen?

- ...einem Special in Haarbondage, dem Einsatz von Bambus, Schnell-Fixierungstechniken oder Deko-Fesselungen?

- ...geübten und gekonnten Handgriffen statt wackeligem Rumprobieren?

- ...dem Wissen, wo und wie man den menschlichen Körper sicher verschnüren kann? 

- ...einem breiten Lächeln des Partners oder wenn endlich dieses dumme Problem, was immer beim Fesseln passiert ist, durch die richtige Technik oder den richtigen Trick behoben ist?

-...einer entspannten Fessel-Session, wo beide Spaß dran haben und sich im Tun und Erleben fallen lassen können?

Es lohnt sich immer, einen Bondage-Kurs zu besuchen oder in einer Probestunde einen Einblick in die Welt des Seil-Bondage-Trainings zu bekommen. Nicht nur weil du höchst wahrscheinlich tolle neue Techniken erlernst, die du noch in fünf Jahren mit Freude anwenden kannst, sondern vor allem, um einen Abgleich zu erhalten, wie eine sichere, geeignete und schöne Fesselung aussehen und wodrauf geachtet werden sollte. Sie es als eine Art Update deiner Fähigkeiten, bei dem du nur gewinnen kannst!

 

8. Fesseln ist kompliziert ("so viele Knoten!")

Häufig gehört und leider auch oft von guten oder jahrelang geübten Fesslern, die mit derlei Übertreibungen Neulinge abschrecken oder sich selbst als besonders begabt darstellen wollen. Natürlich ist das Erlernen von Fesseltechniken und dem Know-How für eine gute Fesselsession mit dem/der Partner/-in nichts für Menschen, die ihren Wissenspeicher lieber schonen möchten. Aber die Behauptung, Fesseln zu erlernen wäre kompliziert und langwidrig, entspricht nicht der Wahrheit: 

1. Es gibt beim professionellen Bondage am Anfang nur einen Knoten (und den kannst du zur Hälfte schon, wenn du dir selbstständig die Schuhe binden kannst). Später kommen vielleicht noch zwei hinzu, auf die du auch genauso gut verzichten kannst. Der Rest sind Wicklungen und Windungen. Also nix mit Knoten lernen. Du brauchst nur einen!

2. Fesseln zu erlernen ist einfach, sobald du einmal die Grundtechniken erlernt hast und verstanden hast, wo du am menschlichen Körper überall entlang fesseln kannst und wo nicht. Alle Techniken sind wiederholend und an sich logisch. Du musst nur die Basics einmal ordentlich drauf haben, dann erklärt sich der Rest von selbst und muss nur noch - ganz ohne Knoten im Kopf - geübt werden. 

3. Natürlich kommt es immer auf das persönliche Lerntempo, eventuelle Vorerfahrungen oder auf die Motivation und anschließende Übung drauf an, wie schnell der einzelne die Fesseltechniken erlernt. Auch hier gilt, wie überall sonst im Leben: Übung macht den Meister. 

4. Du kannst gleich so richtig loslegen, denn: In der ersten Trainingseinheit erlernst du Freistil fesseln. Beim Freistil gibt es (fast) keine Technik. Dennoch kannst du mit der (sehr einfachen) Freistil-Technik bereits alles mögliche fesseln. 

5. Fessler sind faul. Wenn es irgendwas einfacher zu machen geht, dann wird es einfacher gemacht. Es sei denn, jemand will davon ein Foto ;-)

Vieles von dem, was wir einst neu erlernt hatten, erschien uns zu Beginn schwierig oder gar kompliziert. So ging es uns mit den wackligen ersten Schritten als Kleinkind, später beim Schreiben, Lesen und Rechnen lernen oder auch wenn wir uns in neue Sportarten oder Computerprogramme einfinden möchten. Am Anfang war alles noch neu, groß und unüberschaubar und wir müssen uns erst einmal orientieren. Später aber denken wir überhaupt nicht mehr darüber nach, wie genau wir jetzt laufen, lesen, Auto fahren oder wo man klicken muss, damit sich eine neue Folie in der Power Point Präsentation öffnet. Ebenso ist es mit dem Erlernen der Fesselkunst. Also, dran bleiben. Nur der Anfang sieht ist schwer. Das ändert sich aber schneller, als du gucken kannst. Versprochen!

 

9. Fesseln dauert lange

Nein, bloß nicht. Fesseln dauert nur ewig, wenn man entweder keine Ahnung hat oder Perfektionist ist ;-)

Es gibt eine Vielzahl von sehr schnellen Fesselungen, welche innerhalb weniger Minuten fertig sind und in gefühlt hundert Varianten fortgesetzt werden können. Also keine Sorge, mit ein bisschen Übung und cleverem Einsatz bist du - oder dein Partner -  in 5 Minuten gefesselt. 

 

10. Der passive Part muss schlank, gelenkig und sportlich sein

In der Tat ist es wahr, dass viele Bilder von Fesselungen akrobatisch dehnbare und gertenschlanke Models zeigen. Solche - perfekt anmutenden - Bilder finden sich haufenweise im Internet. Oft sind sie das Resultat einer langen Zusammenarbeit, hartem Training, Photoshop oder aber einem Model mit jahrelangen Ballett-/Yogaerfahrungen oder außergewöhnlicher Biegsamkeit. Nichts, was dem Durchschnitt entspricht- nur die Wenigsten können so grazil in den Seilen hängen und so manches Mode-Model sah schon aus wie ein Schluck Wasser, wenn es in die Hängung ging: es erfordert Training darin und braucht einen guten Muskelaufbau, welcher den Körper auch in den ungewöhnlichsten Positionen noch gut aussehen lässt. Selbst ein sehr schlanker Mensch kann mit Leichtigkeit einen Hängebauch bei richtiger (oder eben ungünstiger) Faltung und Hängerichtung bekommen und auch die schönsten Brüste können quadratisch gefesselt werden.

Manchmal ist nur eines von hundert Bildern eines Bondage-Shootings wirklich verwertbar im Sinne der gewünschten Ästhetik. Von daher sollte man sich nicht zu leicht von den zahlreichen professionellen Model-Aufnahmen in Seilen hängend oder gefesselt täuschen lassen.

Und nicht jeder möchte sich selbst hängend und halbnackt im Internet verbreitet sehen. Es geht vielmehr um den Spaß an der Sache und das Erleben- dass, was der Kopf mit uns macht, wenn wir gefesselt werden. Der Fokus im privaten Spiel ist ein ganz anderer und oftmals ist es gerade die natürlich-unverstellte Ästehtik, die reizt, wenn ein Körper in einer unvorteilhaften Position verschnürt wurde. Im Alltag versuchen wir oft uns besonders gerade hinzustellen, den Bauch einzuziehen, den einen oder anderen Makel - den oftmals nur wir selbst sehen- zu verstecken. Doch das alles hat keine Grundlage mehr, wenn wir gefesselt werden. Nichts kann mehr verstellt oder versteckt werden und jedes Gramm zuviel ist notfalls sichtbar. Wir haben es beim Fesseln mit einer absolut ehrlichen Angelegenheit zu tun, was den Körper angeht. Wir müssen pur dadurch und uns dem Partner hingeben- gerade das befreit und gibt uns das notwendige Vertrauen für tiefe Beziehungen. Ab einem gewissen Grad der Fesselung ist nur noch das Atmen die einzige Sache, für die wir uns wirklich interessieren sollten - ein wunderbarer Zustand, unverstellt auf das Wesentliche gebracht. Und ja, wir können die Frisur nicht mehr richten, den Bauch nicht mehr unter der Kleidung verstecken und das Makeup fließt unter Schweiß und mitunter auch mal Tränen die Wangen runter.

Nicht jeder hat den Mut dazu, sich mit dem Wissen nicht perfekt zu sein, dem Partner offen hinzugeben. Und nicht alle vertrauen sich auf dieser Ebene. Aber jene, die es haben und tun, erleben Momente tiefster Befreiung und Verbindung. Dies bezieht sich übrigens auch auf Männer, welche gesellschaftlich immer stark sein müssen und ebenso darunter leiden können - ganz wie die Frauen unter dem ihnen aufgelegten Schönheitsdiktat von Modelidealen. 

Beim Fesseln geht es um das Annehmen - vom Partner, der Situation, aus der wir nicht mehr so schnell entkommen können, und uns selbst. Wir erleben Momente des Glücks, der Stärke, der Hingabe, von Ekstase und können Loslassen. Dafür haben wir Mut und Vertrauen aufgebracht.

Leider sind Hängungen in den Seilen für stark übergewichtige Personen schmerzhafter, da nur begrenzt die Auflagefläche der Seile und somit die Verteilung des Körpergewichts auf der Hautoberfläche erhöht werden kann. Dennoch stellt dies absolut keinen Grund dar, warum weniger schlanke und bewegliche Menschen nicht gefesselt oder mindestens in Halbsuspension (Halbhängung) aufgehangen werden sollten. Es gibt eine Vielzahl von Figuren, welche problemlos mit absolut jeder Person mit zwei Armen, Beinen und Körper (natürlich ohne starke gesundheitliche Einschränkungen, z.B. Schulterprobleme, angebrochene Rippen, etc...) gefesselt werden können. Besonders gelenkig braucht man dazu auch nicht unbedingt sein. Es gibt Werte und Eigenschaften die für das Bondage sehr viel essenzieller sind als Dehnbarkeit, einer schlanken Figur oder eine extreme körperliche Beanspruchbarkeit. Hierzu zählen (für den passiven Part) Hingabefähigkeit, Mut, Experimentierfreudigkeit und Vertrauen.