Über Seile...

Baumwollseile1

Es gibt verschiedene Arten von Seilen - nicht alle sind aber für jeden Einsatz gemacht. Im Folgenden gebe ich dir eine kleine Übersicht über die gängigsten Seilarten:

1. Baumwollseile

Beschreibung: Diese sind die wohl die am häufigsten vorkommenen Fesselseile. Sie sind sehr weich, anschmiegsam und dehnbar. Fälschlicherweise gehen viele davon aus, dass ein weiches Seil auch in der Fesselung angenehm und weich ist. Dies ist bei dehnbaren Seilen jedoch nie der Fall: Sie schneiden sich unter Zugbelastung extrem in die Haut ein und ziehen sich zu. Somit können sie sich schmerzhafter auf der Haut anfühlen, als die harten Jute- oder Hanfseile. Etwaige Knoten und Webungen werden somit extrem eng und sind nur noch schwer zu öffnen. Hier wird viel häufiger der Notöffner gebraucht, da sich Baumwollseile leicht zu unlösbaren Knoten zusammenziehen. Zudem saugen sie jeglichen Staub und Dreck aus der Umgebung auf (Saugfaser) und ziehen sich bei Wasserkontakt zusammen. Es ist also Vorsicht bei reinen Baumwollseilen geboten. 

Technisches: Baumwollseile werden aus den Samenkapselfasern der Baumwollpflanze gewonnen. Sie sind sehr kurz, weich und dehnbar. Im Vergleich zu Jute oder Hanf, welche zu den Pflanzenstängelfasern gehören, wird schnell klar, dass man diesem Seil nicht allzu viel zumuten sollte. Ein Baumwollseil von 5mm Durchmesser hält um die 80 daN (das sind 80 Kg) Zugbelastung aus, dies reicht für eine Hängungen bei Weitem nicht. 

Es gibt grob gesagt drei Arten von Baumwollseilen:

1) Geflochtene Baumwollseile ohne Seele (= Füllung/Kern): dieses sind gewebte "Schläuche", die innen hohl sind. Meist in Durchmessern um die 8-12mm verkauft, da es sich "so schön flauschig anfühlt". Diese Seile haben eine sehr geringe Traglast und schnüren sich noch viel mehr ein, als Baumwollseile mit Seele.

2) Geflochtene Baumwollseile mit Seele (im Bild rechts): diese sind durchgehend gewebt und fühlen sich beim Zusammendrücken etwas härter an. Sie haben somit eine höhere Traglast und können sich weniger einschnüren. Meistens in Durchmessern um die 5-8mm im Verkauf. 

3) Gedrehte / Geschlagene Baumwollseile (im Bild links): Diese sind wie Jute- oder Hanfseile gedreht aus mindestens drei verschiedenen Schäften (Litzen). Sie haben eine hohe Stabilität und fesseln sich bei Weitem besser als geflochtene/gewebte Seile. Leider sind diese nur schwer erhältlich. 

Idealster Einsatz: Für reine Deko-Fesselungen und sehr leichte Fixierungen. (Auf gar keinen Fall Zugbelastung oder Hängungen damit durchführen!). Sie eignen sich ebenso für das Tragen unter der Kleidung, als gefesselte/gewebte Kleidung oder - für die ganz Extremen unter euch - zum Schlafen in Fesselungen (um Druckstellen zu vermeiden). 

Kann verwechselt werden mit: Seilen aus Kunstfasern oder Baumwolle- Kunstfaser-Gemischen. Dies kann man aber leicht herausfinden: Baumwollseile glänzen nicht. Glänzt das Seil, sind Kunstfasern mit eingewebt. Im Idealfall könnte dies die Bruchlast des Seils erhöhen. Wissen tun wir das aber nicht. Ansonsten kann mit einem Feuerzeug der Test gemacht werden: schmilzt das Seil, ist Plastikfaser mit enthalten. Dieses Seil ist dann etwas rutschiger und kann etwas leichter Hautverbrennungen hervorrufen. Im Großen und Ganzen gibt es aber keinen Unterschied zwischen Baumwollseilen und Seilen aus Baumwoll- Kunstfasergemischen. Mit beiden sollte man keine starke Zugbelastund oder Hängungen durchführen. 

2. Hanfseile

Hanfseilhaufen2

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Beschreibung: mittelhart bis weich, nicht dehnbar.   

Technisches: Belastbar bis 250 daN (Kg) pro Strang bei 5 mm Durchmesser.

Idealster Einsatz: Hanfseile können für Allles verwendet werden. Von der Dekofesselung bis zur Hängung. Hier kann man nichts falsch machen. 

Kann verwechselt werden mit: Kunsthanf. Kunsthanfseile sind typische Baumarktseile. Sie bestehen aus Flachs, Hanf- und Kunstfasergemischen und zeichnen sich durch eine hohe Bruchlast aus. Jedoch sind Kunsthanfseile alles andere als angenehm auf der Haut und können schwere Verbrennungen hervorrufen. Bitte nicht mit Kunsthanf fesseln. Zum Testen eignet sich wieder das Feuerzeug: schmilzt das Seil, hat es Plastikanteile. 

Achtung auch vor Hanfseilen schlechter Qualität: Wenn das Seil nach nasser Kuhwiese riecht, ist das zwar keine qualitätmindernde Eigenschaft - jedoch macht man sich damit auch keine Freunde. Beiim Kauf unbedingt auf den Geruch achten! Weiter sollte ein qualitativ hochwertiges Hanfseil ein ebenmäßiges, einheitliches Erscheinungsbild haben. Das Seil sollte keine vorstehenden Hügel oder zu viele Spelzen (abstehende harte Fasern) aufweisen. 

 

  PDF Seilhaltung & Pflege: Hanf

 

3. Juteseile

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Beschreibung: Juteseile sind relativ hart bis mittelweich (je nach Abnutzung), nicht dehnbar, golden in der Farbe und mit einem natürlichen Glanz versehen. 

Technisches: Juteseile von 5mm Durchmesser sind EU-genormt und müssen 190 daN (Kg) Bruchlast pro Strang haben. Sie fusseln anfangs sehr stark und sollten bearbeitet werden. Juteseile haben ab und an etwas Pflege gern; dazu gehört ggf. das Abflämmen und vor allem das einmassieren von Seilpflegeölen. Dieses gibt den Seilen Glanz und eine gute Gleitfähigkeit,. Zudem erhöht es das Tempo beim Fesseln, schützt vor Alterung, Verschleiß und rauhen Fingern.

Bei sehr empfindlichen Menschen kann Jute allergische Reaktionen auf der Haut auslösen. Dies ist jedoch mehr als selten und ich selbst habe dies nur einmal in all den Jahren erlebt. Die allergische Reaktion kann sich bei neuer, uneingefesselter Jute als Hautreizung bei sensitiver Haut zeigen. Noch viel seltener soll eine Hautreaktion auf das beim Spinnen der Fasern verwendete Mineralöl (JBO) sein, welches durch den Weiterbearbeitungsvorgang nur zum Großteil, aber nie zu 100% herausgelöst werden kann. 

Idealster Einsatz: Sehr gut für alle Fesselungen, Hängungen und Zugbelastungen geeignet, insbesondere für japanische Formen, Fotoshootings mit hohem technischen Anspruch und schnelle Techniken. 

 

  PDF Seilhaltung & Pflege: Jute

 

4. Andere Materialien

Natürlich gibt es auch noch mehr Materialien, welche sich für bestimmte Fesselformen eignen. Die wichtigsten möchte ich hier kurz vorstellen:

      

Von links nach rechtes: Bild 1= oben Kokos, unten Sisal. Bild 2= Oben Polypropylen, mitte Poly-Baumwoll-Gemisch, unten Baumwolle. Bild 3= elastische Seile

  • Seilgemische, z.B. Juteseil mit Dyneema-kern 
  • Weitere Naturfaserseile, z.B. Leinenseile, Manilahanf, etc. 
  • Kunstfaserseile, z.B. Nylon-, Dyneema, Polypropylenseile, Nachtleuchtende Seile etc.: Diese können super weich und glänzend sein. Sind jedoch nur bedingt für den Einsatz am Körper oder für Hängungen geeignet. Sie weisen teils Bruchlasten bis in den Tonnenbereich hinein auf, können auf der Haut jedoch starke Verbrennungen hervorrufen oder zu glatte Oberflächen für die gängigen Techniken haben (rutschende Knoten). Besonders im Western Style (Military-, American Bondage) werden Plastikseile sehr geschätzt. 
  • Rauhe Fasern für Sensationplay (Spiele mit Empfindungen auf der Haut) und Semenawa (jap. Foltertechniken), z.B. Kokosfaser, Reisseil, Sisalseil : Diese eignen sich nur für Bodenformen und sind nicht für jeden Geschmack geeignet. 
  • Andere Seile, wie z.B. Wäscheleinen, Drahtseile, Gummiseile, Kletterseile, Segelseile...Diese sind nur sehr bedingt überhaupt für Fesselungen geeignet.