Interview Joyclub

Interview mit Joyclub, veröffentlicht am 29.August 2014:

Eine weibliche Bondage-Künstlerin im Gespräch

Eru von "Berlin Ropes" hat sich mit Leib und Seele dem Bondage verschrieben

Auf der "BoundCon 2014" erlebten wir auf der großen Hauptbühne auch eine Show der Bondage-Künstlerin Eru, die in ihrem Berliner Bondage-Studio "Berlin Ropes" als Personal Trainer arbeitet. Auf der Hauptbühne der Münchner SM, Fetisch- und Bondage-Messe war sie die einzige Frau, die als Rigger, als Fesselkünstler, in Erscheinung trat. Auch sonst hatte man bei der Messe den Eindruck, dass überwiegend männliche Rigger die Szene dominieren. Wir trafen uns mit Eru auf ein Interview und haben sie ausführlich über ihre Leidenschaft befragt und dabei auch versucht, herauszufinden, warum ihrer Meinung nach Männer scheinbar die Bondage-Szene als Fessler dominieren.

Wir haben dich live auf der letzten BoundCon erleben dürfen und waren von deiner Show sehr angetan. Allerdings fiel uns auch auf, dass du eine der wenigen FesslerINNEN vor Ort warst: Und auch allgemein scheint es, abgesehen von klassischen Sex-Workern wie beispielsweise Dominas, nur wenige Frauen zu geben, die wie du aktiv Bondage als Rigger betreiben. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass häufiger Männer aktiv Bondage betreiben?

Eru: Schön, dass es euch gefallen hat! In der Tat gibt es nur einige wenige Frauen, die aktiv fesselnd auf Bühnen zu sehen sind. Es könnte meiner Meinung nach sehr viel damit zu tun haben, dass Bondage viel mit gespielten oder echten Machtverhältnissen zu tun hat, welche im menschlichen Leben immer eine große Rolle spielen. Auch wenn es auf gemeinsamen Konsens beruht und mit Vertrauen und Können gelebt wird, ist das Fesseln doch immer die freiwillige Hingabe des Einen an die führenden und formenden Hände und Absichten des Anderen. Ob dies auf freundschaftlicher Basis geschieht oder auch die Rollen von Zeit zu Zeit getauscht werden, ändert nichts daran, dass der Fesselnde die Kontrolle über den Körper des Gefesselten – und damit Macht – bekommt. Meistens ist es die Frau, die sich hingibt, Vertrauen schenkt und die durch die Seile erzwungene Passivität zu schätzen weiß. Die fesselnden Männer genießen es hingegen sehr, führend oder dominant sein zu dürfen, Verantwortung für die Partnerin zu übernehmen, mit sehr klaren Kategorisierungen (aktiv/passiv) zu arbeiten oder eigene Vorstellungen von Fesselungen durchzusetzen. Auch wenn dieselben Männer nicht notwendigerweise auch in ihrer Partnerschaft dominant sein müssen. Ich sehe es immer als ein Spiel, was von vielen Paaren gerne mit klarer Rollenverteilung gespielt wird und dabei beiderseitig auf Zuspruch trifft. Ich würde also folgern, dass die Überpräsenz von männlichen Riggern viel mit klassischen gesellschaftlichen Geschlechtervorstellungen zu tun hat, womit sich der durchschnittliche Betrachter einer Bondage-Performance am leichtesten selbst identifizieren kann.

Ebenso verhält es sich mit den Stereotypen einer starken Frau, die das Seil in der Hand hält. Hier bietet das für die Reduzierung von Komplexität ausgelegte menschliche Schubladendenken nur wenige gängige Einordnungsmuster, die nur zu schnell bei der dominanten Frau, bzw. Domina enden. Ich selbst musste mir nach einer Performance das "Kompliment" von einem Zuschauer anhören, einen sadistischen und dominanten Fesselstil zu pflegen. Ein anderer sah darin jedoch lediglich eine fließende und konzentrierte Herangehensweise… so sieht letzten Endes jeder, was er sehen möchte. *schmunzelt*

Fakt ist für mich, dass Menschen gleiche Verhaltensweisen bei Männern und Frauen unterschiedlich beurteilen und es fesselnde Frauen daher schwerer haben, nicht gleich als Domina abgestempelt zu werden. Wobei ich mir persönlich ein Spiel zwischen Kunst und Klischee sehr gut vorstellen kann. Einen letzten Grund sehe ich darin, dass viele fesselnde Frauen trotz großartiger Fähigkeiten gar nicht an öffentlichen Performances interessiert sind oder es ihnen an Durchsetzungsfähigkeit bzw. Selbstvertrauen mangelt. Zudem mangelt es auch an weiblichen Vorbildern in dem Metier, obwohl sich das im Moment - auch gerade im japanischen Raum - zu verändern scheint.

Welche Unterschiede siehst du zwischen weiblichen und männlichen Fesslern? Fesseln Männer und Frauen anders und wenn ja wie?

Eru: Ich denke dass es eher eine Frage der Persönlichkeit denn des Geschlechts ist. Jeder Fessler hat seinen eigenen Stil. Jemanden zu fesseln, ist immer auch ein kommunikativer Vorgang zwischen Menschen. Und so, wie ein Gespräch zu verschiedenen Zeitpunkten andere Inhalte, Themen und Emotionen hat, erlebe ich es auch beim Bondage.

Ich kenne Fessler, die sehr sadistisch sein können und in einer anderen Situation wiederum sehr einfühlsam. Es ist die Frage, welche Seite der Fessler in diesem Moment von sich zeigen möchte oder was die Performance von ihm erfordert. Ebenso ist es für mich auch vom Bunny und der Stimmung abhängig, ob ich eher dominant, vielleicht auch ruppig fessle oder eher einen ruhigen, fließenden Stil an den Tag lege. Beides ist in der jeweiligen Situation vollkommen authentisch. Es ist ein Spiel und für mich keine Frage des Geschlechts. Zumindest könnte ich kein einziges männliches oder weibliches Stilmerkmal benennen, zudem mir auch kein lebendes Gegenbeispiel einfallen würde.

Wirst du als Frau innerhalb der Szene ernst genommen oder stößt du hier auf Vorurteile?

Eru: Ich muss ehrlich sagen, dass ich bislang keine Probleme innerhalb der Szene deswegen hatte. Ich erinnere mich nur an ein einziges Mal, da hatte ich ein Pärchen unterrichtet, bei dem Er ein sehr dominanter Typ war. Er hatte mich die erste Zeit nicht ernst genommen, meine Weisungen nicht befolgt (was unter Umständen für seine passive Partnerin sehr gefährlich sein kann) und war insgesamt der Ansicht, dass mir ein Ring der O um den Hals viel besser gestanden hätte als der Trainerjob (mit allen dazugehörigen Witzen und Anspielungen versteht sich).

Als er mir dann auch noch mehrmals mit der Hand über den Kopf streicheln wollte (!!!), wurde es mir zu viel und es gab ein paar deutliche Ansagen, die er auch einsah. Seitdem gab es nie wieder Probleme mit dem Mann und er hat sogar recht gute Fortschritte im Fesseln bei mir gemacht. Wahrscheinlich hatte er generell Schwierigkeiten, jemanden zu akzeptieren, der ihm etwas beibringt, und hätte sich das bei einem männlichen und/oder älteren Trainer vermutlich auch erlaubt. Das war aber auch der einzige Zwischenfall, an den ich mich erinnere.

Hast du als Frau im Hinblick auf Schwebefesselungen Nachteile, was die Kraft angeht?

Eru: Nein, gar nicht. Das ist ein Mythos. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir im Bondage das Flaschenzugsystem nutzen. Das heißt, dass sich die Kraft, die ich brauche, um einen schweren Gegenstand hochzuheben, verringert, wenn das Seil mehrmals über sogenannte Rollen wie z.B. den Ring oder Karabiner umgeleitet wird.

Außerdem hängen wir die Bunnys meistens an mehr als nur einem Punkt auf (z.B. Torso, Oberschenkel und Hüfte), was das jeweils zu bewegende Gewicht noch einmal reduziert. Wirklich viel Kraft braucht man da nicht, wenn man achtsam und durchdacht fesselt. Eng könnte es nur in Notsituationen werden, wenn das hängende Bunny vom Fessler hochgehalten werden muss, während mit der anderen Hand gleichzeitig abgefesselt wird. Das ist selten erforderlich und mir zum Glück noch nicht passiert.

Und damit zurück zu deinen Anfängen: Wie bist du eigentlich zum Bondage gekommen?

Eru: Ein Freund hatte mich damals im tiefsten Winter mehr aus Neugier mit zu einem Bondage-Kurs genommen, wo ich zum ersten Mal ein Hängebondage gesehen habe. Seither war es um mich geschehen und es hat sich mir eine neue Welt eröffnet, die ich unglaublich spannend fand.

Ich habe seitdem selber viel auf der passiven Seite erlebt und experimentiert, auch weil ich wissen wollte, welche Möglichkeiten und Dimensionen das Fesseln bietet. Es führte meinen Geist in süchtig machende Zustände – teilweise läuternder, kraftvoller, meditativer, aufregender oder entspannender Natur. Für mich war schon immer die Frage interessant, was dabei in meinem Kopf passiert oder durch welche äußeren Induktionen das Erleben wie beeinflusst werden kann. Die Seile wirkten auf mich wie ein Verstärker – des Körpers, der Außenwelt, mir selbst. Das hat mich fasziniert und heute weiß ich, dass Bondage ein unglaublich reiches Spektrum an Spiel- und Verwendungsmöglichkeiten zu bieten hat. Eine großartige Entdeckung!

Was fasziniert dich genau am Bondage und wie fühlst du dich, wenn du fesselst?

Eru: Was mich fasziniert, sind die Möglichkeiten des Seilbondage. Wenn ich z.B. auf der Bühne stehe, dann habe ich an erster Stelle meinen Spaß mit meinem Bunny zusammen. Gleichzeitig bin ich aber hochkonzentriert - ich bin dann nur noch die Figur, das Seil, die Empfindung, die Idee. Anders ist es natürlich, wenn wir neue Fesselungen ausarbeiten. Dann muss ich sehr viel dabei nachdenken und bin nach drei Stunden auch echt kaputt. Das macht dann aber auf eine andere Art super viel Spaß und meistens haben wir dann die technischen Knackpunkte der neuen Fesselung herausgearbeitet, Lösungen für die eine oder andere Schwachstelle gefunden und neue Ideen umsetzen können. Eine endlich für gut befundene und in alle Richtungen geprüfte neue Fesseltechnik kommt mir manchmal wie die lang ersehnte Lösung einer Rechenaufgabe vor. Wieder anders ist das Gefühl beim Freistilfesseln. Das ist eher Flow und eine Art Tanz, ohne sich groß einen Kopf zu machen, was als nächstes kommt.

Auf deiner Seite schreibst du, dass du auch gerne mal in den Seilen hängst…

Eru: Oh ja! Leider komme ich in letzter Zeit nicht mehr viel dazu. Es ist diese komplette Passivität - wenn man selbst mit seinen tausend Gedanken nur auf seinen Körper zurückgeworfen ist. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man nichts mehr tun kann, außer zu atmen. Das ist Loslassen für mich, innere Ruhe und ein intensives Körpergefühl.

Kannst du dich dann als passiver Part auch vollkommen fallen lassen oder denkst du manchmal schon: Das hätte ich jetzt aber ganz anders gemacht?

Eru: In der Tat ist es als Trainerin eher schwierig, einen Fessler für die eigene Seilekstase zu finden. Die meisten haben Angst, etwas falsch zu machen oder kommen mit dem Seitenwechsel einer Person nicht klar. Es ist aber so, dass ich in dem Moment nicht mehr als Trainerin auftrete und daher die Fesselung auch nicht mehr zu meinem Verantwortungsbereich zähle, sondern zu dem des Fesslers. Ich vertraue demjenigen dann auch, sonst würde ich mir ja selbst neue Erfahrungen verbauen.

Das tue ich auch daher, weil ich persönlich Bunnys recht anstrengend finde, die jede einzelne Seilwicklung und Progression des Fesslers kommentieren und mit Kritiken und Verbesserungsansichten versehen müssen – sich damit auch nicht fallenlassen können. Es nimmt den Spaß für beide aus meiner Sicht, wenn einer nicht ‚mitspielt‘, sondern verbal gegen seine selbstgewählte Position ankämpfen möchte.

Ist Bondage für dich zwangsläufig mit dem Spiel aus SM-bezogener Dominanz/Devotion verbunden?

Eru: Nein, das wäre mir viel zu langweilig und eindimensional gedacht, wenn das zwangsläufig nur so wäre.

Welche Techniken wendest du beim Bondage an? Hast du dich auf bestimmte Sachen spezialisiert?

Eru: Wie schon oben geschrieben entwickeln wir viele Fesselungen selber – das ergibt sich einfach, dass für bestimmte Anforderungen neu gedacht werden muss und man mit den herkömmlichen Techniken einfach nicht weiter kommt. Für die meisten Ideen braucht man das Rad aber nicht neu zu erfinden.

Mitunter kommt es aber vor, dass mich die TK-Varianten (TK=takate-kote= eine der wichtigsten und am häufigsten genutzten Formen im Shibari/japanischen Bondage) ein wenig langweilen. So schön und praktisch sie auch sein mögen. Und dann fange ich an, mir Gedanken um mögliche Alternativen zu machen, die herausfordernd, komplexer oder für einen bestimmten spezialisierten Zweck gedacht sind. Das ist eher eine Art Denkspiel, da der menschliche Körper in seinen Bewegungen und möglichen Haltepunkten für Seile recht begrenzt ist. Haben wir dann eine Idee entwickelt, geht es in eine lange Testphase, in der die Figur erprobt und Einsatz- sowie Entwicklungsmöglichkeiten ausgespielt werden.

Momentan experimentieren wir mit einem Dreierhängepunkt. Das ist eigentlich eine Spreizstange zum Kopfüberhängen, die uns links und rechts vom Ring noch je einen weiteren Hängepunkt bietet. Das tourt den Kopf in ganz neue Richtungen und potenziert das Spektrum an möglichen Figuren gewaltig. Nebenbei sieht es für meinen Geschmack auch noch super aus. Die Arbeit damit muss allerdings auch gut trainiert werden.

Wir hatten sogar einmal aus geteilter Neigung und Neugier heraus eine Performance mit einer Suspension (Hängebondage) in schweren Metallketten anstelle der Seile erarbeitet. Es hat vieler Versuche bedurft, bis wir eine mögliche Hängetechnik gefunden hatten. Diese ist allerdings absolut nicht zur Nachahmung empfohlen und "sicher" ist etwas anderes. Aber es war geil! *schmunzelt*

Ansonsten habe ich eine Vorliebe für Hogtie-Suspensions (Hogtie=Hände und Füße werden hinter dem Rücken gefesselt und dann ihrerseits beispielsweise über ein Seil miteinander verbunden). Für eine davon hatten wir eine extra Torso-Fesselung entwickelt, die ich mittlerweile auch unterrichte, da sie sich einfach immer wieder in der Praxis bewährt hat.

Im Bondage stehen sich immer wieder zwei Positionen gegenüber: Das Fesseln nach Anleitungen und Regeln vs. freies Fesseln, ohne Vorschriften, das nur auf den wichtigsten Grundlagen aufbaut und die Gesundheitsvorschriften einhält. Welcher der beiden Positionen gibst du warum den Vorzug?

Eru: Beide Positionen sind meiner Meinung sehr wichtig. In meinen Trainings lernen die Kunden zuerst das Fesseln durch Nachahmung und Anleitung. Dabei erkläre ich ihnen, warum diese Wicklung nach genau jenem Schritt kommt, um das logische Verständnis für die Techniken aufzubauen. Meist nach den ersten zwei, drei Kursen gebe ich meinen Kunden die Aufgabe, mit ihren Seilen und den grundlegendsten Techniken frei und mit vollem Bodenkontakt zu experimentieren und ihren Partner einfach nur irgendwie zu verschnüren.

Viele haben das vorher noch nie gemacht und können damit das Gefühl für das Seil und den Körper des Partners sowie den Umgang mit beidem erproben. Es geht darum, sich auch ohne den Rückgriff auf einstudierte Techniken Gedanken zu machen, wie man am besten das Seil am und um den Körper fixieren kann, was schön aussehen könnte und wie der Partner darauf reagiert. Dieses freie Fesseln ist auch gut dafür geeignet, den Flow beim Fesseln spüren zu lernen. Genauso wichtig ist aber auch das Zusehen bei professionellen Fesselungen, davon kann man sehr viel lernen.

Gutes Motivations- und Lernmaterial bieten auch die zahlreichen Bilder von Fesselungen im Internet. Wir von "Berlin Ropes" möchten, dass jeder unserer fortgeschrittenen Schüler alle Bilder, die er von Fesselungen im Internet findet, analysieren, bewerten und ggf. nachfesseln kann. Genau das proben wir auch zuvor schon im Training an ausgewählten Motiven. Meine Kunden lieben das, auch weil es die Vorstellungskraft schult. Schließlich wollen sie eines Tages auch ihre eigenen Ideen sicher und zufriedenstellend umsetzten können. Daher ist für mich auch der Aspekt des Nachfesselns sehr wichtig.

Bei "Berlin Ropes" wird ein Grundstock an Fesselungen in Modulen unterrichtet, d.h. sie sind miteinander kombinierbar und bauen aufeinander auf, damit am Anfang keine Verwirrung entsteht. Anhand dieser Fesselungen werden dann auch die körperlichen, psychischen und kommunikativen Aspekte des Bondage erläutert. Zu meinen Trainings gehört auch das Trainieren des Verhaltens im Notfall, wenn z.B. der passive Partner plötzlich Panik oder Atemnot bekommen sollte oder tatsächlich mal etwas mit der Fesselung schief gegangen ist. Dieses Training ist dafür da, dass sich beide Fesselpartner für die Zukunft sicher fühlen und auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. Natürlich sollte es am besten gar nicht erst dazu kommen.

Daher bin ich der Meinung, dass Freies Fesseln super als Lernmethode im sicheren Rahmen ist, aber erst so wirklich anfängt, Spaß zu machen, wenn eine Handvoll Grundtechniken vom Fessler beherrscht werden und ein Grundvertrauen zwischen beiden Partnern entstanden oder vorhanden ist. Ein paar Bondage-Trainings schaden da sicher nicht.

Wie reagierst du auf Kritik von Vertretern andere Fesselstile?

Eru: Ich unterrichte kein Shibari/Kinbaku, sondern ausschließlich den westlichen Stil, was sich bewährt hat. Wir nutzen die Techniken, die effektiv, sicher und einsatzfähig sind. Natürlich gibt es ab und an Kritik im Sinne von: "Ihr macht ja kein Shibari!" – Natürlich nicht, aber das haben wir auch nie behauptet. Auch wenn viele unserer Techniken mit den japanischen nahezu identisch sind. Ich vergleiche das gerne mit dem Kampfsport. Da gibt es die traditionellen/asiatischen Kampfkünste, wie z.B. Aikido, Kendo oder Karate, aber auch modernere/westliche wie z.B. Krav Maga, Boxen oder Combatives. Alle teilen ein gemeinsames Ziel: Sich selbst auf möglichst effektivem Weg zu verteidigen. Jetzt zu behaupten, dass es nur eine richtige und wahre Kampfsportart gäbe, wäre schlichtweg falsch, da es vom Betrachter und den jeweiligen persönlichen Zielen abhängig ist.

Ich mag die rein japanischen Fesselkünstler wirklich sehr, nur ich lebe nun mal in einem anderen Kulturkreis und habe logischerweise andere Normen und Wertmaßstäbe. Ich möchte ein und dieselbe Fesselung nicht drei Jahre lang trainieren, Grade erreichen und auch keinem Meister dafür huldigen müssen. Auch möchte ich keine Bezeichnungen verwenden, deren Sprache und Kontext ich nicht verstehe. Interessanterweise bestätigen mir das meine Kunden: Sie möchten sicher und ästhetisch fesseln können, aber dafür keine Dogmen und Graduierungssysteme akzeptieren müssen.

Die meisten wollen sich ausprobieren, etwas Neues erlernen und experimentieren – wir bieten dafür einen guten Einstieg. Für die aber, die sich für die japanische Kultur begeistern und einen eher traditionellen Schulungsweg durchlaufen wollen, ist das Shibari/Kinbaku genau das richtige. Jedoch müssen sie dann auch damit leben, dass es ein längerer Weg werden könnte, da die Techniken nach japanischem Lehrsystem ähnlich der Katas unterrichtet werden, also komplett verinnerlicht werden sollten, bevor die nächste Figur gezeigt wird. Ein schöner Weg, der sich lohnen kann!

Von daher stört mich die "ihr macht kein Shibari"–Kritik überhaupt nicht. Ich fessele sicher und weiß, was ich tue. Ich mag Vielfalt und freue mich immer über neue Anregungen, Austausch und konstruktive Kritik.

Welche Vorbilder haben dich geprägt? Oder gab es so etwas für dich nicht?

Eru: Ich habe kein konkretes Vorbild. Mir gefallen viele verschiedene Fesselstile – östliche wie westliche. Bei einigen Fesslern mag ich den Stil ihrer Bilder, bei anderen wie sie performen oder welche Ideen sie in die Suspensions einfließen lassen. Bei manchen steht die Beziehung zu ihren Bunnys im Vordergrund, der nächste hat eine großartige Technik.

Ich finde fast bei jedem guten Fessler etwas, was mich auf eine andere Art und Weise begeistert. Momentan bin ich z.B. großer Fan der russischen Fesselkunst rund um das Mosafir-Team, die wir auf der letzten "BoundCon" auch persönlich kennenlernen durften. Bei denen liegt die Messlatte ein ganzes Stück höher als bei uns und ich habe vorher noch keine so anspruchsvollen Fesselungen gesehen – und ich sehe aus beruflichen Gründen seit Jahren haufenweise derartige Bilder am Tag. Ob die Figuren jetzt nachahmenswert sind oder nicht, sie faszinieren aufgrund der Mischung von immenser Aushaltefähigkeit der Bunnys, gepaart mit geteilter Passion und Liebe zum Bondage und unzähligen harten Trainings. Oft haben ihre Bilder auch sehr viel Emotion und Tiefgang sowie hohen künstlerischen Anspruch.

Welche Rolle spielt Bondage in deinem privaten Erotik-Leben? Wendest du es auch hier oft an?

Eru: Na klar, was denkt ihr denn? *lacht*

Du vermittelst dein Wissen auch in Kursen bzw. als Trainer. Wie hast du dir deine Fähigkeiten angeeignet bzw. welche Ausbildungen musstest du absolvieren, um sicheres Fesseln vermitteln zu können?

Eru: Ich habe bei "YourRope" (damals "Fesseltrieb") zuerst auf der passiven Seite als Vorzeigemodel für die Workshops gearbeitet, bis ich dann selber mit dem Fesseln angefangen habe und Erfahrungen mit den verschiedenen Hängungen und Stilen sammelte. Nach einiger Zeit unterrichtete ich dann als Trainer mit Andreas Hartung zusammen und übernahm die Anfänger-Workshops. Von ihm lernte ich damals die meisten Techniken. Er ist bis heute einer meiner besten Freunde. Ich hatte dann mit seiner Hilfe "Berlin Ropes" im Mai 2013 gegründet. Einige meiner Kunden aus der YourRope-Zeit kommen bis heute zu mir. Das freut mich jedes Mal!

Kannst du uns einen Einblick geben, wie euer Angebot funktioniert? Ihr schreibt etwa auf eurer Homepage, dass es vollkommen egal ist, wann und wo die Wissbegierigen etwas über Bondage erfahren wollen…

Eru: Meistens läuft es so ab, dass interessierte Paare entweder anrufen oder über das Kontaktformular einen Termin vereinbaren. Um unsere Fessel-Trainings möglichst entspannt und effektiv zu gestalten, bieten wir unseren Kunden freie Orts- und Zeitwahl im Stil des Personal Trainings an. So können sich die Kunden in ihrer vertrauten Umgebung entspannen, haben den Trainer die ganze Zeit für sich, brauchen nicht aus der Haustür und können auch noch sonntags um 22 Uhr an einen Bondage-Kurs teilnehmen, der speziell auf ihre Wünsche, Ziele, Lernfortschritte und Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Wurden dann Datum und Zeit von uns bestätigt, kann es auch schon losgehen. Für Unentschlossene, für die die Fesselkunst noch Neuland ist, bieten wir ein Probetraining, in denen grundlegende Fragen geklärt werden und ein erster Kontakt mit der Materie hergestellt werden kann. Die meisten Kunden buchen dann wöchentliche Kurse mit der 5er oder 10er Karte. Gerne werden unsere Trainings auch in Form von Gutscheinen verschenkt.

Oft kommen auch Berlin-Besucher zu uns, um Bondage lernen zu können. Sie buchen dann jeden Tag ein bis zwei Trainings und begeben sich den Rest des Tages auf Sightseeing-Tour durch die Stadt. Unsere Kunden können die Bondage Trainings neben ihrer Privatwohnung oder dem Hotel auch in unserem Fesseltrainingsraum in Berlin-Neukölln buchen. Das ist gerade für die fortgeschrittenen Fessler gut geeignet, die bei sich zu Hause noch keinen eigenen Hängepunkt haben oder aus anderen Gründen die Trainings lieber an einem neutralen Ort wahrnehmen möchten.

Ein weiteres Angebot bieten wir auch für Fessler an, die vielleicht keine/-n eigenen passiven Partner/-in haben oder in Fernbeziehungen leben. Diese können bei uns eine Kurspartnerin für die Dauer des Trainings mit buchen. Dieses Angebot haben wir aufgrund der großen Nachfrage von "YourRope" übernommen, um auch Single-Fesslern die Teilnahme an den Trainings zu ermöglichen.

Du hast Philosophie, Geschichte und Altorientalistik studiert. Ist bei einer solch fundierten Ausbildung der Job als Bondage-Trainerin dein Fulltime-Job oder musst du mit einem anderen Beruf deine Brötchen verdienen?

Eru: Nein, ich kann mittlerweile zum Glück sehr gut davon leben und es ist mein über alles geliebter Traumjob.

Welche Hobbys hast du? Womit kann man dich begeistern?

Eru: Ich habe in dem Sinne weder etwas, das ich als "Arbeit" bezeichne, noch pflege ich konkrete "Hobbys". Alles vermischt sich bei mir ohne Trennlinie und es gibt dann nur noch unheimlich viele Sachen, die ich gerne mache und liebe. Eigentlich mache ich den ganzen Tag nichts anderes als das. Dazu gehört meine Hauptbeschäftigung als Bondage Trainerin genauso wie Fahrradfahren, Kampfsport und in der Natur zu sein. Momentan bereite ich mich auch auf die Zulassungsprüfung als Heilpraktikerin vor, da ich mein Wissen um den Aufbau und die Funktion des menschlichen Körpers vertiefen und erweitern möchte. Ich bin immer auf der Suche nach neuen spannenden Ideen und Aktivitäten. Langweilig wird es bei mir eigentlich nie.

Wir danken für das nette Gespräch und wünschen dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg.

Kundenmeinungen

Hallo Eru, wir wollten uns nochmal bedanken für den tollen Kurs am Samstag. Deine herzliche und geduldige Art ist wunderbar! Wir würden das Training bei dir gerne fortsetzen :-) [...] Ein Paar aus Regensburg (5/2018)

Liebe Eru, nochmal vielen Dank für die wunderbare Erfahrung! Es hat das ganze Wochenende nachgeklungen. [...] wir freuen uns auf einen neuen Termin später im Sommer. Stephanie aus Berlin (April 2018)

Hallo Eru! Das war ein Tag - super! B. war etwas skeptisch - aber nachher von Dir und deiner Art und Weise sehr angetan !! Eine sehr professionelle Art wie Du den Stoff rüberbringst, sowohl Handhabung der Seile, als auch das, was damit ausgelöst wird. Ich habe eine Menge gelernt - DANKE!! Uwe aus Süddeutschland (4/2018)

[...] Vielen Dank für das spannende, entspannte und lehrreiche Training. Es hat wirlich viel Spaß gemacht und wird sicherlich eine gute Grundlage für weitere fesselnde Stunden sein. Ich habe in meinem (Berufs-) Leben schon oft mit Trainern zu den verschiedensten Themen zu tun gehabt und ich darf Dir sagen, dass Du eine sehr angenehme Art und Gabe hast, Inhalte zu vermitteln. S. (4/2018)

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Eru ist toll. Nett, kompetent und professionell. Man lernt in kurzer Zeit effektiv was hübsch ist und was man vermeiden muss (z.B. um Nervenschäden vermeiden). Eru ist nicht nur technisch sehr gut, sie hat auch einen guten Blick auf die Ästhetik und umfangreiches Verständnis der Hintergründe.:-) Gregor (2018)

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[...] Wir fanden es bei dir absolut sensationell. Du hast eine total angenehme Art, Dinge zu zeigen, so dass man wirklich nie das Gefühl hat, etwas falsch zu machen. Vorher dachten wir noch: "Mensch, wie erklären wir ihr jetzt am besten, was wir schon können und was nicht, damit wir am besten direkt zu den sinnvollen Themen kommen und wir möglichst viel mitnehmen". War aber gar kein Problem, hast du sofort erkannt und genau da angesetzt, wo es gepasst hat. Die coolen (auch ausgefallenen Sachen), die du immer mal wieder zeigst, sind total spannend und einige davon probieren wir mit Sicherheit aus und erzählen dir beim nächsten Mal. Kurzum: Mach weiter so! Wir kommen bestimmt bald wieder! R & B (November 2017)

Hallo Eru, mit über 50 sind wir beide am vergangenen Wochenende sicherlich nicht die jüngsten Anfänger in Deiner sorgsamen Ausbildung (vermutlich auch nicht die ältesten ). Aber es hat uns Spaß gemacht und Du hast uns einige Unsicherheiten in den Stunden bei Dir genommen. Wir haben uns beide gut gefühlt und abends gleich nochmal die Basics wiederholt. Danke für das behutsame Heranführen und die stetige Ermutigung. Danke auch für die guten anatomischen Hinweise, so dass wir uns beim Fesseln keinen Schaden zufügen. Wir kommen bestimmt mal wieder, wenn wir mit dem Gelernten ein wenig experimentiert haben, um uns weitere Tipps zu holen. LG S+M (2017)

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