Materialkunde

Was braucht man eigentlich zum Fesseln? Hier eine kleine Orientierungshilfe. 

1. Seile

Die Seile sind natürlich unverzichtbar. Lies hierzu einfach folgende Texte, da habe ich schon alles beschrieben, was du wissen solltest: 

Vorurteil Nr. 6: Baumarkt-Seil reicht doch!

Warum Seile besser als Handschellen sind

Die verschiedenen Arten von Seilen

2. Notöffner

Neben den Seilen - und am besten noch vor den ersten Fesselversuchen - solltest du dir unbedingt einen sog. Notöffner besorgen. Dies ist ein Schneidewerkzeug, mit welchem du im Notfall die gefesselte Person schnell befreien kannst.

Ich empfehle die Anschaffung eines Segelmessers (Amazon-Link: Hier im Bild das Segelmesser von Gill, ca. 20€) oder einer echten EMT- Schere (EMT steht für Emergency Medical Technician, siehe Bild), wie sie auch im Krankenwagen zum Aufschneiden von Kleidung nach Unfällen genutzt werden (ca. 60€). Bitte verwechsle diese Schere nicht mit den herkömmlichen Verbandskastenscheren, welche ausschließlich weiche Materialien wie Verbände schneiden können und ebenso unter der Bezeichnung "EMT-Schere" gehandelt werden. Verbandskastenscheren sind viel kleiner als die echten EMT-Scheren, billiger (5-15€, kein Bild vorhanden) und ausschließlich für die Verwendung bei Fesselungen mit Baumwollseilen geeignet. 

Das Segelmesser (oben rechts im Bild mit rotem Griff) hat eine gebogene Klinge, mit der problemlos unter die Seillagen gegangen werden kann. Die scharfen Zähen sägen jedes Seil innerhalb von Sekunden durch. Dieses Werkzeug wurde von mir mehrfach erprobt (zum Glück brauchte ich es noch nie im  "echten" Einsatz). Die etwas teurere Variante zu den Segelmessern sind sog. Bear claws (ab 50€, nicht im Bild). 

Notöffner

Unterschätze bitte nicht, wie hart Jute und Hanffasern sind und wie viele einzelne Seilstränge du im Notfall auf einmal damit durchschneiden musst. 

Papierscheren und die billigen, oftmals auch unter dem Namen "EMT- oder Bondage-Scheren" verkauften Notöffner eignen sich nur für weiche Baumwollseile und sind für Jute und Hanf zu schwach. Sie haben eine instabile Verbindung der Schneideblätter und versagen im Notfall. 

Gurtöffner aus dem Auto haben eine zu kleine Klinge. Küchenmesser würden die Haut verletzen. Zudem möchte keiner beim Fesseln auf eine scharfe Messerklinge gucken. 

Also sei bitte vernünftig und experimentiere nicht mit Notöffnern rum. Sie gehörten immer zum Fesseln dazu und müssen im Notfall einfach nur 100% funktionieren ohne dabei noch größeren Schaden anzurichten. 

3. Seilpflege

Wenn du mit Juteseilen fesselst und Wert auf schöne, glänzende Seile legst, gehört die Seilpflege unbedingt dazu. Tageslicht, starke Beanspruchung, Schweiß oder der eher saure pH-Wert unserer Haut hinterlassen ihre Spuren; das Seil wird spröde und kraftlos. Die fasereigenen Öle der Jutepflanze verschwinden mit der Zeit. Daher gibt es Seilpflege: ein Öl, ein Wachs oder am besten eine Mischung aus beiden. Die Seilpflege von Berlin Ropes gibt es vegan und in kosmetischer Reinheit. Sie erfüllt folgende Funktionen:

  • erhöht die Gleitfähigkeit des Seils durch die Hände (schnelleres Fesseln)
  • die Seile fusseln weniger
  • die Seile glänzen viel mehr
  • die Hände des Fesslers werden vor dem Austrocknen geschützt
  • die Seile fühlen sich besser auf der Haut des Models an
  • das Seil selbst hält bei guter Pflege mit Öl oder/und Wachs sehr viel länger. 

Bitte mach nicht den Fehler und gib billige Öle, wie z.B. Sonnenblumen- oder Olivenöl in deine Seile. Diese sind rottende (oxidierende) Öle und deine Seile werden nach kurzer Zeit stark zu stinken anfangen. 

Ander Öle, wie z.B. Babyöl sind parfümiert und können bei einigen Menschen alles andere als erotische Gefühle aufkommen lassen. 

Bitte vermeide auch Mineral- oder Waffenöle. Niemand möchte gerne schmieriges Waffenöl im Mund oder auf der Haut haben. 

Bienen- oder die vegane Variante Carnaubauwach sind sehr gute Gleitmittel für Seile. Wenn du diese so aufträgst, bleiben sie aber nur auf der Oberfläche vom Seil und ziehen nicht in die Fasern ein. Es empfiehlt sich daher eine Kombination von Öl und Wachsen in kosmetischer Reinheit, wie ich sie auch meinen Kunden zu ihren Juteseilen anbiete. Die Seilpflege von Berlin Ropes eignet sich übrigens auch wunderbar als Lippen- und Hand- und Haarpflege. Sie besteht zu 100% aus natürlichen Zutaten in essbarer Reinheit. 

Alternativ, aber lange nicht so gut wie die gemischte Seilpflege, kannst du reines Jojobaöl in die Juteseile einmassieren. Auf dem Bild hier siehst du den Unterschied zwischen einem gut geölten (oben) und einem ungeölten Seil (unten). Die Pflege der Juteseile ist etwas Zeitaufwendig und wird von professionellen Fesslern gerne alle 3-4 Fesselsessions wiederholt, insofern die Seile stark beansprucht wurden (z.B. viele Hängungen oder Schweiß). Du kannst die Seile einfach so oft ölen, wie du möchtest - du wirst den Unterschied sehen und spüren. Es gibt allerdings auch sehr bekannte Fessler, die ihre Seile überhaupt gar nicht pflegen und so seit Jahrzehnten arbeiten. Probier es aus! 

4. Bambus

Wenn du schon ein bisschen Erfahrung mit dem Fesseln gesammelt hast, möchtest du vielleicht auch die ersten Hängungen ausprobieren. Hierzu kannst du entweder einen Metallring verwenden oder - besser noch- eine Bambusstange aufhängen. Bambus ist ein super robustes Material, welches optisch sehr schön zu den Seilen passt. Für einen Hängebambus eignen sich Bambusstangen von mind. 1,20m- 1,80m Länge und 5-8cm Durchmesser. Zu dick sollte der Bambus zum Hängen auch nicht sein, da sonst der Abstand der Seile, die über ihn verlaufen, zu weit werden könnte und es Probleme mit rutschenden halben Schlägen bei den Hängeseilen geben wird. Du solltest aber unbedingt darauf achten, dass dein Hängebambus keine Risse oder scharfen Kanten hat. 

Zudem empfiehlt sich die Anschaffung von einigen kürzeren Bambusstangen (1m- 1,50m). Diese eignen sich entweder zur Dekoration (z.B. für horizontale Armfesselungen) oder aber für die Techniken des Semenawa (jap. Zeme = Folter, Nawa= Seil), bei denen durch Bambus bedingte Schmerzen zu Endorphin-Ausschüttungen und somit Glücks- und Trancezuständen führen können (z.B. bei durch Bambus erzeugten Druck). 

Noch kürzere Stücke (ca. 15cm) eignen sich gut als Knebel, für die, die das wünschen. 

Bambusstangen sollten immer so gelagert werden, dasss sie keiner Zugluft ausgesetzt sind. Am besten horizontal und weit weg von der Heizung. Alle 3 Wochen sollte man die Enden jeweils mit einem nassen Schwamm befeuchten oder sie in eine Schale mit Wasser tauchen. Dies verringert das Risiko von Rissen. 

Die Seile, an denen der Bambus mit den Hängepunkten an der Decke o.ä. aufgehangen ist, müssen regelmäßig auf Abrieb untersucht werden. Hier empfehle ich klar die Verwendugn von entweder dickeren Hanfseilen (6-8mm Durchmesser), Dyneema oder doppelten Juteseilen. 

5. Karabiner & Bandschlingen

Ist der Hängebambus einmal installiert, ist man ziemlich auf eine einzige Arbeitshöhe beschränkt. Will man dann aber Hängungen kurz über dem Boden durchführen oder reicht einmal das Seil nicht mehr ganz, kann einfach ein Karabiner mit einer Bandschlinge an den Bambus gehangen werden. Durch den Karabiner können dann die Seile geführt oder der Hängering aus Metall eingehangen werden. Diese Technik geht schnell und ist sehr zu empfehlen, wenn man zwei Arbeitshöhen oder eben zwei verschiedene Hängesysteme zur Wahl haben möchte. 

Auf dem Bild links siehst du einen großen Metallring für Hängungen und einen etwas kleineren für den Transport (ist leichter). Der ganz kleine Metallring ist ein sog. Zwischenring, um die verschiedenen Hängeseile voneinander abzutrennen oder das Gewicht besser zu verteilen (eigentlich komplett überflüssig). Das schwarze Gebilde aus zwei Dreiecken ist ein sog. Drehwirbel, an dem der Hängering mit einem Karabiner verbunden wird. Damit kann man der hängenden Person einen ordentlichen Drehwurm verpassen. Links im Bild sind zwei Bandschlingen, mit denen der Ring auf die richtige Höhe gebracht werden kann. Für Metall-Hängesysteme solltest du mindestens 4-6 Karabiner zur Hand haben, wie sie auch im Klettersport Verwendung finden. Bitte prüfe vorher, dass die Karabiner auch einwandfrei in den Ring eingehakt werden können und nicht zu klein sind. 

Alle Materialien sollten mind. 1 Tonne Traglast haben, die Karabiner CE-geprüft und der Ring mit einer sauberen Schweißnaht versehen sein. Hier sollte nie gespart werden.

6. Das Buch

Wenn du es mit dem Fesseln lernen wirklich so richtig ernst meinst und einfach alles darüber wissen möchtest, dann empfehle ich dir, auch ein paar Notizen festzuhalten. Unser Gehirn trickst uns nämlich gerne aus und dass, was wir gestern noch sicher beherrschten, liegt morgen schon im Nebel. Gute Techniken von professionellen Fesslern zu erlernen ist nicht billig und es wäre Schade, wenn du alles nach einem halben Jahr wieder vergessen hast. Darum schreib auf, was du gelernt hast! Mach dir Notizen, Skizzen, druck Fotos aus, mal Ideen auf, notiere dir Fragen oder japanische Fachbegriffe....was auch immer. 

Gerade für den Anfang ist es gut, wenn du dein Buch aufschlagen kannst und dir sofort fünf Ideen entgegen springen, die du wahrscheinlich schon längst vergessen hattest, aber dank deiner Aufzeichnungen direkt wieder umsetzen kannst.